Diplom Wirtschaftsrecht an der HTW Berlin – Ein Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht HTW BerlinEr hat einen Lebenslauf, der so manch anderen Studenten sicherlich neidisch macht. Björn Stecher hat an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin Wirtschaftsrecht studiert, allerdings noch auf Diplom. In seiner Studienzeit hat er zahlreiche Praktika, z.B. in einer Rechtsanwaltskanzlei oder als Koordinator im Wahlkampfbüro von Kajo Wasserhövel (ehemaliger SPD-Bundesgeschäftsführer) absolviert. Außerdem hat er als studentischer Gutachter an zahlreichen Akkreditierungsverfahren verschiedener Hochschulen in Deutschland teilgenommen – meist für den Studiengang Wirtschaftsrecht. Für uns ist Björn also der perfekte Gesprächspartner und wir freuen uns, dass er sich die Zeit für ein Interview genommen hat.

Hallo Björn, vielen Dank, dass du uns ein paar Fragen zu deinem Studium und dem Studiengang Wirtschaftsrecht beantwortest. Wie kamst du 2005 zu dem Entschluss, Wirtschaftsrecht zu studieren?

Der Studiengang klang für mich sehr attraktiv. Als gelernter Industriekaufmann hatte ich großen Spaß an wirtschaftswissenschaftlichen Themen. Die Kombination zwischen Wirtschaft und Recht war letztlich das Alleinstellungsmerkmal was ich gesucht hatte, denn nur Betriebswirtschaft oder nur Jura war für mich zu trocken.

Wo und wie hast du dich denn über die verschiedenen Studienmöglichkeiten und Studiengänge im Bereich Wirtschaftsrecht informiert? Was rätst du Studieninteressenten, wie sie die Studienwahl angehen sollten?

Für mich stand fest, dass ich an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) studieren möchte, somit hatte ich auch dort alle Informationsquellen genutzt die es gab, wie Flyer, Studienberatung und Internet. Die richtigen Informationen zum Studium können Einem vor so manchen Frust während des Studiums bewahren. Grundsätzlich würde ich Studieninteressenten vor allem eines raten: Sucht danach, was Euch am meisten Spaß machen könnte und nicht danach, wo man später das meiste Geld verdient. Erfahrungsberichte von Absolventinnen und Absolventen können da helfen. Das Internet bietet Unentschlossenen auch nette Applikationen, wie z.B. www.studieren-in-fernost.de.

Du hast dir für dein Wirtschaftsrecht Studium die HTW Berlin ausgesucht. Was waren deine Gründe hierfür?

Die wesentlichen Gründe waren der gute Ruf der HTW Berlin und das Fächerspektrum. Die HTW ist für ihre Internationalität bekannt und bietet gute Studienbedingung. Ein Blick ins Curriculum hat dann sein übriges getan. Das Studium ist so aufgebaut, dass es aus 60 % Rechtswissenschaften, 30 % Wirtschaftswissenschaften und 10 % allgemeinwissenschaftliche Ergänzungsfächer besteht, das klang sehr reizvoll. Die Spezialisierungen von Internationalen Wirtschaftsrecht, Gesundheitsrecht, Personalrecht und Steuerrecht gaben mir den nötigen individuellen Spielraum.

Der Bachelor Wirtschaftsrecht hat trotz der Kürzung von einem Semester immer noch den Fokus von möglichst, hoher individueller Auswahl und eigener Schwerpunktsetzung von Themen. Das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Recht ist dabei geblieben. Und für alle die nicht so viel Mathematik mögen, ist es genau das richtig.



Nun, wo du seit mehreren Semestern dort studierst, kannst du uns sicherlich von den besten und den vielleicht weniger guten Erfahrungen an der HTW Berlin berichten? Welche Erfahrungen überwiegen?

Natürlich die positiven. Nein, im Ernst. Inhaltlich bietet mir das Studium genau die Voraussetzung für einen guten Berufsstart. Das Studium war schon sehr anspruchsvoll aber wenn man sich hinsetzt und den einen oder anderen Ratschlag des Professors annimmt, klappt es. Aber wie an jeder Hochschule gibt es auch an der HTW eine Verwaltung und die ein oder andere Bürokratie. Hier ist nicht die Frage ob es Verwaltung und Bürokratie gibt sondern, wie die Hochschule damit umgeht und offen ist für Vorschläge der Studierenden. Ohne da zu viel zu loben, aber das Verhältnis hat gestimmt und es hat sich viel getan.

Du studierst ja noch auf Diplom. Kannst du uns ein paar Einblicke in deinen Studienverlauf geben? Was sind die Studieninhalte? Welche Schwerpunkte kann man wählen bzw. setzen? Wie ist die Studienatmosphäre?

Im ersten Semester werden natürlich die Grundlagen geschaffen u.a. im Zivilrecht, Europarecht und in der Betriebswirtschaft. Diese Grundlagen werden im zweiten Semester gefestigt und erweitert durch Zivilprozessrecht und Arbeitsrecht. In den höheren Semestern kommen dann richtig spannende Fächer hinzu. Gestaltung zivilrechtlicher Verträge hat mir sehr viel Spaß gemacht, ebenso Wettbewerbsrecht, Kartellrecht, Insolvenzrecht oder Kapitalmarktrecht. Betriebswirtschaftlich hatte ich dann Controlling, Marketing und Steuerrecht. Bei allen Studienfächern hatten wir eine gute Studienatmosphäre. Das ist eine Sache die man auch selber in der Hand hat. Mit einer Studiengröße von 40 Personen haben wir oft große Lerngruppen gehabt und uns wunderbar ergänzt.

Ich kann mich da an äußerst kontroverse Diskussionen über unseren Mailverteiler erinnern, wie man diesen oder jenen Fall löst und in der Vorlesung kam es dann ganz anders und einen großes Gelächter ging durch den Raum. Alles im allen war es eine tolle Studienatmosphäre, wer kann schon sagen mit seinem Professor mal picknicken gewesen zu sein oder dass eine Professorin uns Organisationsmanagement stehend auf dem Tisch erklärt hat.

Da du auch als studentischer Gutachter den Studiengang Wirtschaftsrecht an anderen Hochschulen akkreditiert hast, kennst du dich sicherlich auch mit den Bachelorangeboten aus. Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen Diplom und Bachelor?

Die Schwerpunkte machen den größten Unterschied aus. Das Diplom hatte mit seinem Umfang die Möglichkeit viele Schwerpunkte anzubieten. Im Bachelor sind diese Schwerpunkte oft eigene Studiengänge oder finden sich im Master wieder. Die Grundlagen fallen oft dem Studiengangsprofil zum Opfer. Da möchte man gerne noch dieses oder jenes spezielle Studienfach im Curriculum haben obwohl es sinnvoller wäre Themen zu integrieren die die Grundlagen festigen und zukunftsweisend sind. Ein schönes Beispiel ist hier das Internetrecht. Internetrecht hat heute eine sehr hohe Relevanz und ermöglicht gleichzeitig Zivilrecht, Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht und andere Grundlagenfächer zu vertiefen. Die Hochschulen holen in diesem Bereich langsam auf und bieten sogar Wirtschaftsrechtliche Angebote mit dem Schwerpunkt IT-Recht an. Auch wenn die meisten Bachelor weniger Semester haben, bedeutet das nicht, dass sie qualitativ schlechter sein müssen. Ein Auto kann ich auch schneller produzieren bei gleichbleibender oder besserer Qualität. Die Hochschulen müssen sich darauf konzentrieren, was wichtig ist und welchen Berufszweig der Studiengang abdecken will.

In welchem Bereich möchtest du nach dem Studium arbeiten? Gibt es schon bestimmte Branchen oder Unternehmen, die du dir für den Berufsstart wünschst?

Das Wirtschaftsrechtsstudium bietet ein breites Portfolio an Einsatzgebieten. Vom In-House Juristen, Unternehmensberatung, Steuer- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen sowie einzelnen Anwaltskanzleien. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen die diesen Studiengang noch nicht so kennen, schätzen später die Expertise der Absolventinnen und Absolventen. Ich selbst möchte gerne in der Beratung arbeiten. Während meines Studiums habe ich mich sehr politisch engagiert und möchte das auch weiterhin tun. Der Bereich Wirtschaftsförderung vereint genau diese Themen: Wirtschaft, Recht, Politik und Verwaltung. Da geht es um die Beratung von Förderanträgen, allgemeine Vertragsgestaltung, Standortbestimmung, ausloten von betriebswirtschaftlichen Vorteilen und das Verhandeln zwischen Partnern in der Wirtschaft und Verwaltung.

Wie siehst du generell die Chancen für Wirtschaftsrecht-Absolventen auf dem deutschen und internationalen Arbeitsmarkt? Ist z.B. ein Masterstudium sinnvoll?

Die Absolventenquote bei uns Wirtschaftsrechtler an der HTW beträgt zwischen 90 und 95% in den ersten drei Monaten. Man kann also sagen, dass Wirtschaftsrechtjuristen eine gute Chance haben, auf dem deutschen Arbeitsmarkt unter zukommen. Bei anderen Universitäten sind die Quoten ähnlich. Was den internationalen Arbeitsmarkt angeht, kann ich es nicht mit Sicherheit sagen, allerdings ermöglicht ja das Bachelor/Master System eine höhere Mobilität. Dabei liegt es aber oft beim Studierenden selbst, welche Fremdsprachenqualität er mitbringt und welche Kenntnisse er im Bereich internationaler Rechtsgebiete hat. Grundsätzlich sind die meisten Studienangebote auf deutsches oder anglo-amerikanisches Recht konzipiert. Ein Masterstudium ist natürlich im Kontext von „lebenslangen Lernen“ immer sinnvoll. Ich würde aber durchaus empfehlen, nachdem Studium mal in der Arbeitswelt herum zu schnuppern und zu schauen wo genau die eigenen Stärken liegen. Das hilft später den richtigen Master zu finden, da sie oft sehr spezialisiert sind. Viele Arbeitgeber gewähren auch eine Auszeit oder finanzieren einem das Masterstudium.

Wenn du dich nochmal entscheiden müsstest: Würdest du wieder ein Wirtschaftsrecht Studium wählen?

Auf jeden Fall. Auch wenn ich mich vermehrt im politischen Bereich bewege, helfen mir die erworbenen Kenntnisse sehr. Vor allem, die bei Juristen markante strukturelle Denkweise hilft, komplexe Sachverhalte zu verstehen. Zudem sind die ein oder anderen juristischen Kenntnisse im privaten Bereich sehr nützlich.

Björn, vielen Dank für die ausführlichen Antworten rund um dein Studium. Wir wünschen dir alles Gute und vor allem einen erfolgreichen Studienabschluss.

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