Wirtschaftsrecht vs. Jura Studium – Was sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten?

Wirtschaftsrecht vs. Jura - UnterschiedeGenau wie es Studieninteressenten gibt, die „was mit Medien“ studieren wollen, gibt es auch diejenigen, die „was mit Recht bzw. Jura“ studieren möchten. Übrigens sind es oft Kinder von Juristen (z.B. Rechtsanwälten oder Richtern), die mit dem Gedanken spielen, ebenfalls ein Studium im Bereich Jura zu beginnen. Aber nicht immer wollen sie die eher theoretisch orientierten Rechtswissenschaften studieren, sondern ein juristisches Studium mit anderen Inhalten, wie z.B. BWL, verbinden. An dieser Stelle kommt dann oft die Frage auf, was eigentlich der Unterschied zwischen einem Wirtschaftsrecht und Jura Studium ist. Gibt es auch Gemeinsamkeiten? Wir haben einen Überblick erstellt.

Unterschiede zwischen Jura und Wirtschaftsrecht

In vielen Internetforen liest man, dass Wirtschaftsrecht nichts Halbes und nichts Ganzes sei. Das ist so nicht richtig, wie wir in einem eigenen Artikel auch herausgestellt haben. Denn wie man an der großen Zahl der angebotenen Studiengänge in Deutschland sieht, hat das Studium durchaus seine Berechtigung. Wer sich zwischen Wirtschaftsrecht und Jura entscheiden muss/ will, der sollte sich über die Unterschiede informieren, um die richtige Studienwahl zu treffen.

Unterschied Zulassungsvoraussetzungen
Unterschied Wirtschaftsrecht Jura Studium Ein großer Unterschied liegt in den Voraussetzungen, die man mitbringen muss, um Jura oder Wirtschaftsrecht zu studieren. Jura (bzw. eigentlich Rechtswissenschaften genannt) ist ein Studiengang, den man nur an Universitäten und dementsprechend nur mit Abitur studieren kann. Wirtschaftsrecht hingegen wird auch von zahlreichen Fachhochschulen angeboten. Hier reicht die Fachhochschulreife als Voraussetzung.

Unterschied Praxisbezug
Im Jura Studium wird viel theoretisches Wissen vermittelt. Zwar werden die Inhalte auch mit Hilfe von anschaulichen Beispielen verständlich gestaltet, dennoch ist ein Wirtschaftsrecht Studium durch die Vielfalt der Inhalte (Wirtschaftliche und rechtliche Aspekte sowie Soft Skills) meist abwechslungsreicher und praxisnaher.

Aus den vielfältigen Wechselbezügen von Recht und Ökonomie wird in diesen Studiengängen eine interdisziplinäre Verknüpfung des Lehrstoffes. Die Studierenden werden mit dem methodischen Instrumentarium beider beteiligter Disziplinen vertraut gemacht und so in die Lage versetzt, sich rasch in bisher unbekannte Materien des jeweiligen Fachgebietes einzuarbeiten. Damit wird sowohl der “rechtsblinde” Betriebswirt und Manager als auch der kaufmännisch unbedarfte Jurist vermieden, dessen Lösungsvorschäge vielleicht rechtsdogmatisch überzeugen, aber an der wirtschaftlichen Realität scheitern.

Unterschied Studieninhalte
Oft wird behauptet, Wirtschaftsrecht sei nur “Jura light”. Das Vorurteil wird davon abgeleitet, dass Absolventen eines Wirtschaftsrecht Studiums nicht als Richter oder Anwälte arbeiten können. Dass damit aber einhergeht, dass man weniger Wissen von Gesetzen, Verordnungen & Co hat, ist eine falsch Schlussfolgerung. „Die rechtliche Ausbildung bei Wirtschaftsrecht ist in den relevanten Bereichen sehr fundiert und manche Bereiche, wie z.B. Wettbewerbsrecht, Markenrecht, Vertragsgestaltung, sind ausführlicher behandelt als an vielen Unis“, sagt eine Userin im Forum bei Studis-Online.de. Sicherlich gibt es in einigen juristischen Gebieten keine bzw. nicht so ausführlich gelehrte Inhalte, aber bei einem Wirtschaftsrecht Studium hat man sich ja eben auf die Wirtschaft fokussiert und lässt damit bewusst Bereiche wie Strafrecht oder Menschenrecht aus.



Unterschied Arbeitsgebiete
Die Tätigkeitsfelder von Wirtschaftsjuristen und Volljuristen (also Absolventen eines Rechtswissenschaften Studiums) haben Überschneidungen, aber es gibt auch einige Unterschiede. Als Wirtschaftsjurist kommt man eher in Unternehmen zum Einsatz, oft wird ‚Business Law‘ als Sprungbrett in Unternehmensberatungen oder Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften genutzt. Man ist durch das betriebswirtschaftliche Wissen nicht nur auf rechtliche Fragestellungen fokussiert, sondern findet eine ganze Bandbreite an Jobmöglichkeiten.

Gemeinsamkeiten zwischen Jura und Wirtschaftsrecht

Gemeinsamkeit Wirtschaftsrecht Jura Studium Neben den vielen Unterschieden gibt es aber auch einige Gemeinsamkeiten. Zunächst einmal sollten Studieninteressenten wirkliches Interesse an juristischen Sachverhalten mitbringen. Egal, ob man Wirtschaftsrecht oder Jura studiert, die Lehrinhalte sind teilweise etwas „trockener“ und auch nicht allzu einfach. Zudem muss man viel lernen bzw. zumindest wissen, in welchem Gesetzesbuch der entsprechende Paragraph zu finden ist. Denn das Ziel der verschiedenen Vorlesungen ist es, dass die Studierenden komplexe juristische Sachverhalte richtig bewerten und analysieren können und zu einer richtigen Entscheidung kommen.

Auch im Arbeitsleben gibt es Überschneidungen. Wirtschaftsjuristen und Volljuristen sind oft an wichtigen Entscheidungen im Unternehmen beteiligt, teilweise sogar gemeinsam im Team. Sie bereiten Verträge vor, verhandeln mit Lieferanten und Abnehmern oder unterstützen z.B. die Personalabteilung bei der Erstellung von Arbeitsverträgen. Zudem sind sie Ansprechpartner für viele weitere Bereiche eines Unternehmens, die eine juristische Fragestellung klären müssen.

Fazit: Die Studienwahl sollte gut überlegt sein

Es ist, zugegeben, nicht leicht, sich zwischen den beiden Studiengängen zu entscheiden. Für Jura spricht, dass nach den Staatsexamen Berufsfelder wie Anwalt, Staatsanwalt oder Richter offenstehen, die für Wirtschaftsjuristen verschlossen bleiben. Allerdings ist dafür ein sehr langes und lernintensives Studium inkl. vieler Prüfungen mit hohen Durchfallquoten nötig. Absolventen eines Wirtschaftsrecht Studiums studieren kürzer (die Regelstudienzeit für den Bachelor of Laws liegt bei 6-7 Semestern) und können somit früher ins Berufsleben starten. Allerdings sind sie meist auf Unternehmensseite und seltener in Anwaltskanzleien zu finden. Vor Gericht dürfen sie zwar als Kläger für das Unternehmen, aber nicht als Anwalt, auftreten.

Um die richtige Entscheidung zu treffen, ob man Jura oder Wirtschaftsrecht studieren soll, ist jeder Studieninteressent gut beraten, sich die verschiedenen Arbeitsfelder zum Beispiel durch Gespräche mit in diesen Berufen arbeitenden Personen näher anzusehen (haben die Eltern Anwälte im Freundeskreis? Oder sind die Eltern deiner Mitschüler Juristen? Hier kann man sich gut informieren). Zudem sollte man „in sich hineinhorchen“, ob man eher Interesse an betriebswirtschaftlichen oder juristischen Themen hat. Denn es gibt durchaus nicht nur einen Unterschied zwischen Wirtschaftsrecht und Jura Studium.

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